Sonntag, 23. Juni 2019
Schierlingsbecher
der in schwarzen Samt gehüllt die Tage meines Lebens trägt.
Die Hände halten fest den kalten roten
Trank der mich vergessen lässt, welch‘ Stunde mir das Leben schlägt.
Es rinnt in meiner rauen Kehle dieser
Strom der Zeiten still und leise abwärts in den dunklen Schlund,
wo Licht verliert und Warm gewinnt, zersetzt,
verletzt, gesetzt zum zweiten Schluck den heil‘gen Becher an den Mund.
Ein paar der Tropfen fliehen fahlen Lippen,
stürzen etliche Momente brennend längs dem bleichen Kinn.
Gleich meiner Tränen wische ich sie weg,
sie kosten nichts, doch Zahl ich hohen Preis, wie Laubschnitt fall‘n sie hin.
Geschenk des Lebens, Zeit ihr Name, rot
die Farbe, flüssig Heiligtum dem Becher anbeginne eigen,
mir gegeben alles auszukosten,
gierig schwindet zwischen Zähnen schlingend dieses Becherneigen
dritten Schluckes frischer Lebenssaft.
Mit einem Zug der Kelch er leert, der Körper nährt, doch Dolchstoß fährt
ins junge Herz und in die Seele nieder,
bricht ein Stück und nimmt die Kraft, mit viertem Trunk nun fast geleert.
Vermisst du mich, wenn ich gegangen bin?
Und fehlst du mir, wenn ich des Bechers Boden endlich glänzen sähe?
Oder ist die Ruhe endlos, wenn
Gefühle, die ich hatte, ihrer Herkunft ungewiss, verschmähe?
Zweifel trinkt den letzten Schluck in Tränen,
leg den Becher ab mit kalter Hand und lächle müd und fahl.
Das Herz verstummt, bekannte Kund, der Tod
zieht endlich einen Schnitt und nimmt die Zeit, die ich ihm damals stahl.
Donnerstag, 23. Mai 2019
Verloren in der Zeit
ein Geisterlicht das Leben nimmt.
Es wirkt so fern und scheint die Flamm'
so kalt und dunkel, blass und klamm,
dem Grablicht gleich, ein letzter Gruß
vom Tod, der zieht am zweiten Fuß.
Die Stele knarrt und modrig blickt
das Holz, in das der Tanz mich schickt
und so hinabgesenkt ins Reich
der Düsternis als knochenbleich
lieg ich, die glitzernd' Feuerblüten,
die noch Geist und Leben hüten,
haltend, als mein letztes Licht,
das grässlich dunkle Schleier bricht.
Ach, jedes Jahr verwelkt, verwehte,
stürzte sich in nasse Lethe,
weit vor ihrer Zeit verloren,
Knospe, nie zum Glanz erkoren,
trank, versank und trieb davon
für immerdar nach Avalon.
Dienstag, 27. Mai 2014
Bitte zögre nicht
Bring mir die Stille,
die endlos und ehrlich.
Leg mich ins Dunkel,
das bodenlos, herrlich.
Gib mir das Ende,
den Todesstoß, gänzlich.
Zögre nicht, gönn’s mir.
Mein Leben ist endlich.
© M. Reinhart 2014
Dienstag, 20. Mai 2014
Ein letzter Traum
Letztens war in einem kalten Traum,
wo niemand mir zu meiner Seite stand,
nur ich allein im trüben Dämmern kaum,
die Zeit verschenkt, die mich ans Leben band.
Lag allein im Dunkeln, wach im Schlaf,
nie Ruhe und Genesen, stets im Lauf,
nur ich allein im trüben Dämmern traf
für mich Entscheidung „wache auf!“.
Muss es böses Träumen ohne Rast
wohl sein, ein letzter Hauch der einsam schwer,
nur ich allein im trüben Dämmern fast,
mich längst in Depression gebracht, nicht mehr.
Ja, nichts weiter, das es ist, nun schau!
Dumpf gedämpft das Morgenlicht im Staub,
nur ich allein im trüben Dämmern, grau
sind Mauern, um mich her ist welkes Laub.
Bin nicht klar, das soll es sein, nein, Traum!
Es ist der Traum der mich gefangen nahm,
liege stumm mit Blick zum Totenbaum,
ach, Tod, der unlängst früh mich holen kam.
Wirbelwind, der braune Blätter mit
der Leichtigkeit verweht, wie Staub und Sand,
Gevatter Tod, der mir den Holzsarg schnitt,
und Mutter Erde, die mir letztlich reicht die Hand.
Dann ein Licht, die warme Sonn‘ in Pracht
erfüllt den Platz, erhellt mein kaltes Grab,
spielend ziehen Wolken fliehend ihrer Macht,
wo blauer Himmel Träumen Räume gab.
Hier werd‘ ich nun bleiben immerdar,
geborgen hält mich, wie ganz sanft bedacht,
der hölzern‘ Sarg und droben hält die Schar
aus Sonne, Mond und Sternen für mich Wacht.
Oh, wohin bin ich denn jetzt erwacht?
Es klamm und kalt bedrängt mich mein
die Daunendecke, um mich dunkle Nacht,
noch nicht ein Stern und auch kein Mondenschein.
Keine warmen Arme die mich lieblich
halten in dem Schreck der Einsamkeit,
nicht wie im Traum, im Leben suche ich vergeblich,
er zeigt den Weg, ich muss nun geh’n,
mein Traum, er werde Wirklichkeit!
© M. Reinhart 2014
Montag, 7. April 2014
Auf der Suche nach Lethe
Nur Dunkelheit.
Doch mein Herz ist dort,
wo deine Augen wachen,
wo dein Haar weht und
himmlisch gleich in unentwegtem tanzen
deine Stimme erklingt.
Nie war ich ferner von mir,
als war ich so fern von dir.
„Nie mehr!“, spricht es:
„Nie mehr!“.
Nie mehr die Blicke kreuzen,
nie mehr deine zarte Hand halten,
deinen Atem spüren und dein Herz fühlen.
Nie mehr.
Und nie mehr wird die Sonne ihre Bahnen ziehen,
noch der Mond am Himmel stehen,
weder Meer die Wogen glätten,
noch Wald zur letzten Ruhe betten,
ohn‘ dass meine Fußspur schimmert
in den Mooren aus Lethe in die ich zu stürzen mich suche.
Das letzte Dach hoch über meinem schwachen Haupte
ist gewebt bloß aus Trauer,
verflochten mit Schmerzen
und gebunden an die Pfeiler aus Liebe,
die ich mit meinen eigenen blutigen Händen schuf.
Ein letztes Mal in deine Augen sehen,
tief versinken in den Abgrund aus Hoffnungslosigkeit,
ein letzter Kuss,
dann diese Welt verlassen,
das kühle Nass der Lethe, endlich gefunden,
freudig die Hände vom Blute befreit, heben,
trinken, taumeln, fallen, sinken
und den Styx hinab ins Schattenreich treiben.
Alles vergessen.
Mich vergessen.
Dich vergessen.
© M. Reinhart 2014
Mittwoch, 2. April 2014
Schmerz
Schmerz erfährt was Klinge teilt,
durchfährt das Fleisch was Sinne heilt.
Mit Blut wie Tinte an den Wänden,
noch mit Messer in den Händen,
Schnitt und Stich, so mal’ ich dich
und mit dem Bild verblute ich.
© M. Reinhart 2014
Samstag, 2. März 2013
Königin Zeit
Die Sonne hieb durchs Wolkensieb, als kalte Bitterkeit
mit fahlem Regen still sich in den Lauf der Erde reiht.
Trägst du, Baum, auch deine Krone,
wächst empor zum Dach der Welt,
ist dein Königreich verloren,
weil der Mensch die Säge hält.
König Berg jedoch mit Stolz,
steht ganz egal wer in belauert
und zwingt mit Kraft sie in die Knie,
weil er sie alle überdauert.
Doch selbst König Berg versteht das Werk, das die unendlich‘ Zeit,
dem wilden Leben aufgezwungen in solch‘ Grausamkeit.
Und wenn der Baum gefällt,
und wenn der Mensch verschreit,
und wenn der Berg zerfällt,
verging die Zeit.
© M. Reinhart 2013
Freitag, 15. Februar 2013
Armageddon
Die edle Schöpfung ist verroht,
verschmolzen im Verderben,
muss jedes andre Wesen sterben,
der ihr noch die Stirn gebot.
Gerechtigkeit ist hier die Hatz,
der Sieger fällt vom Pferde,
die Reinheit hat auf dieser Erde
in zu wenig Seelen Platz.
Der Himmel färb sich rot wie Blut,
der Mensch hat selbst gerichtet,
die dunkle Höllenbrut vernichtet,
Abaddon im Fall wird Glut.
Der Mensch hat eigens Krieg bestellt,
das Schwert benutzen lassen,
und wenn die Seelen Seelen hassen,
stimmt der Sold, wählt man das Geld.
Denn teurer wird es Nacht für Nacht,
das längst verlor‘ne Leben,
denn die Natur wird nichts mehr geben,
Krankheit hat sie umgebracht.
Der Mensch ist seiner Selbst Gericht,
braucht keine Siegel spalten,
solange sie die Waffen halten,
kämpfen Menschheit und das Licht.
Kam Tod, gerufen wie einst Krieg,
die Macht ward ihm genommen,
sind alle Vier von wo sie kommen
nur benutzt für einen Sieg.
So stürzt herab, oh, Gabriel,
mit Michael zur Seite,
auch Raphael zur Erde gleite,
ein Flügelschwarm folg Uriel.
Und so das letzte Heer der Engel fliegt
der Menschheit stumm entgegen
doch als sich Blut und Federn legen
hat des Menschens Grausamkeit gesiegt.
© M. Reinhart 2013
Dienstag, 22. Januar 2013
Weihnachtstraum
Die Zeit war schwer und lang der Winter,
ja, ein Winter fern der Welt,
der mit Kälte und mit Grauen,
jeden Mensch in Atem hält.
Straßen waren Todeszonen,
nur der Schutz im Haus verschanzt,
es gilt das Leben, nicht der Luxus,
wenn der Teufel mit dir tanzt.
So an einem Winterabend,
als einst der Stern von Bethlehem,
gezeigt der Welt ein Kind geboren,
das starb dann in Jerusalem,
in Gedanken bei dem Sohn,
dem Heiland, der die Welt befreit,
von Gott gesandt, vom Mensch gebannt,
er starb zu lindern unser Leid,
sitzt still zusammen in der Kirche
bei Gebet und Kerzenschein,
in heil’ger Nacht, wie nie verbracht,
der Rest der Menschheit ganz allein.
Draußen indes streifen Leichen
durch die Stadt der Dunkelheit,
das Gotteshaus behütet uns
und gibt uns warme Sicherheit.
Frieden, in so schweren Zeiten,
Halt, von Mensch zu Mensch erreicht,
gibt Hoffnung in so schwarzen Tagen,
Angst, die vor der Liebe weicht.
Ein Weihnachtsfest, ganz unbeschreiblich,
froh, gemeinsam, still verbracht,
das schönste Fest in meinem Leben,
denn das Fieber längst entfacht,
durch einen Biss in meine Schulter,
oh, der du mein Richtspruch bist,
im schönsten Fest in meinem Leben,
weil es auch mein letztes ist.
© M. Reinhart 2013
Sonntag, 13. Mai 2012
Engelsflügel
Das kleine Mädchen schaut mich fahl
aus leeren Augenhöhlen an.
In stummer, schmerzerfüllter Qual
erhofft sie, dass sie sehen kann.
Ich streichle ihre kleine Hand,
mir scheint ganz sachte würden zucken,
wie von Feuern schwarz gebrannt,
die abgetrennten Fingerkuppen.
Ihre blutend Hände tasten
nach den meinen, die sie wiegen
und in denen nun mehr rasten,
glitzernd ihre Augen liegen.
Weiches weinerliches Wimmern
wispert, mehr vermag sie nicht,
weiße Zähne rötlich schimmern
im diffusen Neonlicht.
Worte quellen unverstanden,
wie das Blut von Lippen rinnt,
Laute, die die Freiheit fanden,
nicht wie sie gebunden sind.
Hinter milchgezähnten Trümmern
eines Kiefers, der zerbrach,
deren Schmerzen sie nicht kümmern,
in der ganzen dunklen Schmach,
das letzte Stück der Zunge steckt,
der Rest, das sei gesagt mein Kind,
hat engelsflügelgleich geschmeckt,
war Knospenduft in frischem Wind.
Endlichkeit ist allen Dingen
schon bestimmt vom Anbeginn,
geht das Leben durch die Klingen
nur verfrüht und schmerzhaft hin.
© M. Reinhart 2012
Samstag, 7. April 2012
Lebenslauf
Schweiß benetzt ist deine Haut,
die Augen tränen dir vom Wind.
Er schlägt und beißt, er drückt und reißt,
du weißt, dass deine Zeit verrinnt.
Du läufst die Wege, die gelegt
durch Zeiten ständig fortbewegt,
und hetzt dich ab bei jeder Tat,
denn endlich ist die Lebenssaat.
Gerannt durch Wald und über Feld,
hast du dich deiner Angst gestellt.
Sie läuft voran, du hinter drein,
du strengst dich an und holst sie ein.
In einem Augenblick verschweifend,
siehst du, vollends den Erfolg begreifend,
deine Angst ganz außer Atem,
aus dem Blickfeld schon geraten.
So läufst du, läufst du, fort und fort,
doch hinter dir, ganz unbenommen,
kommt heran der Schnitter Tod,
vor ihm da gibt es kein Entkommen.
© M. Reinhart 2012
Dienstag, 13. März 2012
Wintertod
Die schneebedeckte Sonne,
Sie versinkt im Winterwind
bis längst alle Wesen
ihrer Kälte Opfer sind.
So auch Fluss und See wie Lethe
wenn der letzte Strahl vergeht,
unterm Glas erstickt der Fisch
der dort im trüben Wasser steht.
Wie man vergisst, ein Riss, die Kälte,
man vergeht im kalten Schlund,
wer du bist kann man nur raten,
denn erst spät gelingt der Fund.
Unterm Glas trifft leise pochend
deine Faust das klare Eis
das nicht bricht, nicht knackt, sich nicht ergibt
bei jedem noch so großen Fleiß.
Ein letztes Mal blickst du zum Himmel
siehst die Winterstürme zieh’n,
schwarze, graue, weiße Wolken,
schwache Sonne die noch schien.
Und Wirbelnd wohl wie weiße Wolken
wachend Weiten überweh’n,
werden Baum bis Berg bedeckt
bald brechend untergeh’n.
© M. Reinhart 2012
Montag, 8. November 2010
Soldatentod
Wir sehen unsre Feinde nicht,
da war nur Tod, der uns verspricht,
es gäb' für jeden ein Stück Blei,
das jedes Recken Urteil sei.
Wir sahen unsre Feinde nie,
nur Freundes Freunde sahen wie
die Freunde starben ohne Blick
zurück, die Kugel durchs Genick.
Und eine Frage stellen wir,
die grausam-tapfer sterben hier:
"Wer ist der Mann, der uns vernicht'?" –
"Es ist der Tod im Menschgesicht!"
© M. Reinhart 2010
Sonntag, 10. Oktober 2010
Krankhaft‘ Eifersucht & Ein Leben für die Liebe
Mit Dreistigkeit bequatscht
hat sie vorgestern Nacht,
allein mich Heim versetzt,
und sie mit ihm verbracht.
Ich kenne ihn auch nicht,
sie hat mir nichts gesagt,
sie ging ins Restaurant,
wohl hatt' ich nicht gefragt,
doch bin ganz heimlich still,
ihr nachgefolgt dahin,
hab alles jetzt geseh'n,
der ich im Bilde bin.
Mit Vorwand ging ich fort,
ein dienstlich Reisepflicht,
natürlich war ich nah
bei ihr, sie wusst' es nicht.
Hab sie beschaut, verfolgt,
gesehen was geschah,
sie traf erneut den Mann,
doch Teufel, es ist wahr:
Dem Blicke mir entschwand
sie und sie nicht mehr fand,
es war im Stadtgedräng',
zur Faust geballt die Hand.
Ich bin nach Haus gerast,
nach Stunden langer Such',
und fand sie ach so brav,
sie saß und las ein Buch.
Betrogen worden bin
ich doch nicht etwa schon?
Vermutlich war ich das,
und meine Treu' der Hohn!
Sie schien mir schon nervös,
nun wusst' ich was war los,
doch wenn ich sie befrug,
belügte sie mich bloß!
Ich wollt' noch sich'rer sein,
und habe schnell durchsucht,
ihr Zimmer, was ich fand:
ich wusste es, verflucht!
In ihrem Schrank da lagt,
ein Hemd das nur zum Mann,
doch ist's mit Nichten meins,
wohl jemals passen kann!
So legte mich zur Ruh,
und morgen werd' ich dann,
sie zwingen zu gesteh'n,
ihr Will' bricht irgendwann!
Des Morgens ich erwacht
als Schritte her vom Flur,
da steht sie da allein,
mir's in die Glieder fuhr.
Die Finger ihrer Hand,
umschlossen eine Griff,
ein kalter Stahl geschärft,
der mich wohl gleich schon striff!
Nein, nicht mit mir, mein Weib
wird nicht am Grabe steh'n,
sie soll in ihrem sein,
sie muss schon vor mir geh'n.
Und mich trifft keine Schuld,
die Notwehr ist mein Schild,
sie wollte Mord, doch ich
bin brav und gut gewillt!
Sie hat es so gewollt,
ihr Mordgelüst ist groß,
ich reiß das Messer fort,
versetz' den Todesstoß.
-
Ich wollt' er glaube mir,
nach langer Zeit erneut,
hab ich ein' alten Freund,
getroffen, nicht gescheut
und ihn gefragt er traf
die Wahl zum Essen geh'n,
ich sagte meinem Mann,
er konnt' es nicht versteh'n.
Belasten wollte ich
ihn nicht, so nichts gesagt,
der Freund war einst mein Schwarm,
doch dann die Lieb' versagt.
Nun gestern ging mein Mann,
der Arbeit wegen fort,
er schien mir so nervös
und sprach manch komisch' Wort.
Ermuntern wollt' ich ihn,
ihm schenken, dass er weiß,
das ich, die ihn so liebt,
ihm dankt, für seinen Fleiß.
Der alte Freund kam mit,
er hatte noch kurz Zeit,
dann musste er zum Zug,
nach Haus zu seiner Maid.
Für meinen Mann ich kauft',
ein Hemd, er sicher mag's,
in meinem Schrank versteckt,
bereit zum Schenken lag's.
Aufgebracht kam Heim,
nach hartem Arbeitstag,
sein Zorn kann ich verzeih'n,
und trotzdem ich erschrak.
Er fragte was denn sei,
ich sprach wie es auch war,
er schien mir abgeneigt,
vor Hass gar nicht mehr klar.
Mein armer Mann so hart
von Arbeit so gestresst,
wird doch nicht etwa von
dem eignen Chef erpresst?
Ich werde ihm als sein'
wohl angetraute Frau,
so gut zur Seite steh'n,
er weiß dies ja genau.
Er ging schon früh zu Bett,
so schrecklich müd' musst' sein,
dass Abendbrot vergaß',
ich ließ ihn ruh'n allein.
Am Morgen machte ich
ihm Frühstück, doch er schlief
zu lang, längst müsst er los,
er kam nicht als ich rief,
so ging ich zu ihm hoch,
grad schnitt ich noch Salat,
ein Messer in der Hand,
noch von derselben Tat.
Er grade dann erwacht,
als ich den Raum betrat,
er starrte so verrückt,
ich wusste keinen Rat.
Dann stürmte auf mich zu,
entriss mir jenen Stahl,
griff ihn wie eine Waffe
und dann zu meiner Qual,
schnitt er mir viele Wunden,
ich weiß es nicht warum,
ich liebte ihn so sehr,
und er, er bracht' mich um.
© M. Reinhart 2010
Freitag, 17. September 2010
Hetzjagd
"Lass das Heulen; steh schon auf;
mach die Schuhe zu, los, lauf!
Lauf schon weg, ich lass' dich geh'n!" –
Du rennst los und ich bleib steh'n.
Schmutz und Schlamm spritzt jäh' beiseit',
lachend mach ich mich bereit.
Du blickst zurück, beginnst zu schrein,
du suchst nach Hilf', doch bist allein.
Schnelle Schritte tragen dich,
deine Füß' verhaken sich,
strauchelst, fällst und liegst im Schmutz,
bist ach so panisch ohne Schutz.
Kriechst voran und raffst dich auf,
der Staub verweht in deinem Lauf.
Aufgeschlagen deine Knie,
schrei dir nach: "Nun los doch, fliehe!"
Während ich dich damit hetze,
dich noch psychisch so verletze,
wähne ich dich schon im Grab,
ziehe, ziele und drück ab!
© M. Reinhart 2010
Mittwoch, 8. September 2010
Liebesmord
In meinem Kopf seh' ich dich weinen,
seh' dich schreien, glaub mir keinen
Augenblick hab ich gedacht,
dass ich dich je ausgelacht!
In meinem Kopf form' ich die Bilder,
form' die Sätze, male Schilder,
die ich dir vor Augen führe,
und die Trauer weiter schüre.
In meinem Kopf bist du gezwungen
durch mein' Wort und Tat gesprungen,
bist zerschellt auf Pflastersteinen,
denn ich brachte dich zum weinen.
In meinem Kopf entflieht das Blut
deinem Körper, gibt mir Mut,
den nehm' ich dann ganz zusammen,
erstick in mir des Zweifels Flammen,
und was sonst noch übrig war,
geh zu dir, komm dir ganz nah'
und während dir das Leben wich,
sag ich's dir: "ich liebte dich!"
© M. Reinhart 2010
Donnerstag, 17. Juni 2010
Mein Kind
Mein Kind als waren wir mal jung,
mein Kind, da waren wir noch frei.
Ich weiß, mein Kind, du schaust dich um,
die Zeit ging fort, ist lang vorbei.
Damals wurd' die Bruderschaft,
die Königs Leut' dahin gerafft,
vom Erzdämon und seiner Macht,
halt selbst den König umgebracht.
Von da an war das Land verlor'n,
als dann die Räuber sich verschwor'n,
sie nahmen uns das Hab und Gut,
danach erst wurdest du gebor'n.
Du kennst uns nur im Lumpenkleid,
ach, ist es her nicht lange Zeit,
wir war'n nicht arm, wenn auch nicht reich,
mein Kind, mein Kind, es tut mir leid.
Wir können dir die Qual nicht spar'n,
du hungerst so, es ist nicht warm,
mein Kind, es tut im Herz mir weh,
jetzt liegst du tot in meinem Arm...
© M. Reinhart 2010
Dienstag, 23. März 2010
Das Gefängnis der Seele
Tote Leiber im Verwesen,
schwängern warme, feuchte Luft,
Tod ist längst schon hier gewesen,
jetzt bleibt nur der Moderduft.
Rott, verfallen im Vergessen,
liegen Körper irgendwo,
Särge wurden nie vermessen,
starben einst im Nirgendwo.
Ohne Licht und Hoffnungsschimmer,
keiner kam zum Sterben her,
kalte Blicken werden schlimmer,
Augenhöhlen starren leer.
Bis die Zeit die Leichen frisst,
liegen sie im Sumpf der Welt,
bis dann nichts mehr übrig ist,
und die Seele nichts mehr hält.
© M. Reinhart 2010
Montag, 7. Dezember 2009
Es ist vorbei…
Ich seh' den Jungen ohne Schrei,
das Leben lässt von dannen zieh'n
er sinkt zum Grund, er scheint so frei,
ach, gottverdammt – ich kannte ihn.
"Mir war das Leben eine Qual",
so sprach er und umarmte mich,
"du lebe fort, ich geh' dann mal",
bevor er ging bedankt er sich.
Nur ein paar Schritte, dann war Schluss,
er strauchelt kurz dann sinkt er hin,
in meinen Ohren dröhnt ein Schuss,
Oh Himmel, wie entsetzt ich bin.
Die Kugel in den Kopf platziert,
sein Leben ist sofort entfloh'n,
das Blut so rot, das er verliert,
ich hoffe noch, doch weiß es schon.
Ich stürz' zu ihm, dreh ihn herum,
die Augen starren fahl und leer,
ich frage mich erst jetzt "warum?
war es denn wirklich sein begehr?".
Hat er denn nichts auf das er baut,
nein, viel mehr baute denn zu spät,
sein Leben aus, noch warm die Haut,
er sagt kein Wort das es verrät.
Doch keine Wahl er selber schuf,
die Angst der er erlegen ist,
nun weit verhallt mein Klageruf,
du greifbar nah' verstorben bist.
Es vielerlei Verbrecher gibt,
beendet manches Leben gar,
ein jeder Mensch wird doch geliebt,
wenn auch er selbst ein Täter war.
Ich sah' den Jungen ohne Schrei,
das Leben ließ von dannen zieh'n
er sank zum Grund, war Vogelfrei,
ich hab's getan, ich schoss auf ihn…
© M. Reinhart 2009
My Grave
A sense, no way to hide,
The light denied my pride,
I cried and oh I lied,
Beside it wasn´t right.
I wish I lost my mind,
I wish I saw the light,
The book – the broken spine,
The sun – a burning sign.
A choice is not available,
the voice was so reliable,
but dug my grave,
it´s moist and not deniable.
© M. Reinhart 2009